Macht Mozart schlau?

„MACHT MOZART SCHLAU?“

Diesen Titel trägt eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie, die sich mit der zentralen Frage befasst, ob die Musik kognitive Kompetenzen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, fördert.

Mit ursächlich für diese 170 Seiten fassende Untersuchung war der weithin bekannte „Mozart-Effekt“, eine offensichtlich bahnbrechende Beobachtung von 1993, wonach das Hören einer Mozart-Sonate den Intelligenzquotienten der Versuchsteilnehmer an der Universität von Kalifornien zumindest in Teilbereichen ansteigen ließ.

Welch wunderbare Vorstellung, allein die Wahrnehmung von harmonischen Klängen könne unsere Intelligenz derart positiv beeinflussen!

Die Ernüchterung sollte jedoch schon bald folgen, und zwar  in Form von zahlreichen Gegenstudien, die dieses Phänomen einstimmig und eindeutig widerlegen zu können glaubten, darunter eine fachliche Ausarbeitung von Harvard-Psychologen und die genannte Studie des Bundesministeriums.

Ernüchternd auch deshalb, weil diesen Gegenanalysen zufolge noch nicht einmal das aktive Musizieren den erwünschten Neben- sprich „Mozart-Effekt“ zu bewirken vermag.

Unbestritten ist in allen fachlichen Ausarbeitungen zum Thema Auswirkungen – vor allem – des eigenen Musikmachens auf das menschliche Gehirn, dass, wie es in der Harvard-Studie formuliert ist, „Musik das Gehirn auf vielfältige Weise stimuliert und etwa die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis und die gezielte Wahrnehmung verschiedener Sinnesreize verbessern kann“. Auch das Bundesministerium kommt zusammenfassend zu dem Schluss, dass sich „musikalische Betätigung positiv auf die soziale und emotionale Entwicklung  von Kindern und Jugendlichen auswirkt, indem sie unter anderem die soziale Verbundenheit stärkt“, und berichtet von einem „weiteren wichtigen Aspekt der Wirkung gemeinsamen Musizierens auf die Motivation.“

Über diese positiven Auswertungen hinaus gibt es erstaunliche neurowissenschaftliche Untersuchungen zu den strukturellen und funktionellen Veränderungen der Gehirnorganisation als Folge des Musizierens, die die enormen Vorteile dieser Art von Betätigung belegen zu können glauben. Doch, mahnt die Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gleichzeitig, „ist es wichtig hervorzuheben, dass es sich dabei vorwiegend um Veränderungen handelt, die … als Wirkung jahrelangen täglichen Übens … auftreten. Diese Veränderungen finden sich also in erster Linie bei einer kleinen Personengruppe, die sich durch ein sehr intensives Training musikalischer Fähigkeiten auszeichnet. Aus diesem Grund ist es nicht angemessen, diese neurowissenschaftlichen Ergebnisse … ohne weiteres auf andere Personengruppen zu übertragen – etwa in der Erwartung, dass zum Beispiel wöchentlicher Musikunterricht bei Schulkindern zu ähnlichen Veränderungen in der Gehirnorganisation führt.“

Auch zahlreiche Wissenschaftler anderer Forschungsinstitute unterstreichen diese These, darunter die große Mehrheit der auf diesem Gebiet tätigen Hirnforscher, die ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass sich das Gehirn unter dem intensiven Einfluss von Musik eindeutig umstrukturiert. „Professionelles Musizieren hat seinen Anfang … meist im frühen Kindesalter, in einer Zeit, in der sich das Gehirn also gerade organisiert“, führt etwa Professor Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik und Theater in Hannover als einen der Gründe an. Zudem sei Musik gerade in einer Konzertsituation „selbstbelohnend“ und stelle einen „starken emotionalen Reiz“ dar, der in den allermeisten Fällen „biografisch wichtige Konsequenzen“ nach sich ziehe.

So vorteilhaft das aktive Üben, Proben und Musikzieren laut zahlloser neurologischer Gutachten für die Entwicklung des jungen Gehirns auch sein mag – und auch unsere eigenen Erfahrungen bestätigen uns tagtäglich diese erfreulichen Erkenntnisse -, ganz besondere Wichtigkeit messen wir der legeren Bemerkung im knappen Schlussplädoyer des eben genannten Professors bei: „Hauptsache, die (jungen) Menschen haben Spaß daran“, eine Auffassung, die die Künstlerische Leitung des MÜNCHNER KNABENCHORES nur allzu gerne teilt und die sie sich täglich neu zur Aufgabe macht, auch wenn dieser Grundsatz keiner bahnbrechenden wissenschaftlichen Studie entstammt.